Lehm, Steine, Pflanzenteile: Was Mauerbienen alles in ihr Nest tragen

Geposted von Holger Thissen am

Wusstest du, woher Mauerbienen ihren Namen haben? Und dass sich manche Arten für ihren Nachwuchs ganz besondere Kinderstuben aussuchen?

Den Namen Mauerbiene oder Osmia hast du als BeeHome Besitzer/*in bestimmt schon einmal gehört. Ganz sicher hast du mit der weit verbreiteten Rostroten Mauerbiene, auch einfach Rote Mauerbiene genannt (Osmia bicornis), schon eine der vielen Mauerbienen-Arten gesehen. Schließlich besiedeln diese fleißigen Insekten dein BeeHome. Aber es gibt noch viel mehr Mauerbienen, da Mauerbienen keine Art, sondern eine Gattung sind (eine Gattung ist eine Gruppe nahverwandter Arten). Mauerbienen finden sich in den gemäßigten Breiten von Europa, Asien und Nordamerika. Es gibt in Europa 101 Mauerbienen-Arten.

Der deutsche Name Mauerbiene rührt daher, dass diese Tiere ihre Nester mit kleinen Mauern verschließen, meist aus Lehm oder zerkautem Pflanzenmaterial. Manche Mauerbienen nehmen auch Sand oder Steinchen. Aber nicht alle Arten arbeiten auf diese Weise. Bei so vielen Arten gibt es immer einige, die sich von den anderen absetzen müssen: Mauerbienen besiedeln viele verschiedene Lebensräume und haben unterschiedliche Ansprüche an die Nistplätze. Die Nester legen sie in vorhandenen Hohlräumen, in sandigen Böden, in selbst genagten Gängen in Totholz oder sogar in leeren Schneckenhäusern an, wie es die Schneckenhaus-Mauerbiene tut. Wenn du deren außergewöhnliche Nistmethode einmal selbst beobachten möchten, haben wir hier ein paar spannenden Filmaufnahmen mit praktischen Tipps. Leider ist es nicht so einfach, Schneckenhaus-Mauerbienen anzusiedeln, da sie nicht überall vorkommen. Aber verteile doch ein paar leere Schneckenhäuser in deinem Garten, vielleicht hast du ja Glück.   

Mauerbienen sind begehrte Bestäuber

Mauerbienen spielen eine große Rolle in der Landwirtschaft, weil sie neben den Honigbienen und Hummeln die wichtigsten Bestäuber unserer Obst- und Beerenpflanzen sind, zumindest auf der Nordhalbkugel. Im Süden kommen sie ja nicht vor.  Mauerbienen gehören zu den ersten Arten, die im Jahr aktiv werden (Februar!) und zu den letzten Arten die man im Jahr beobachten kann.

Einige Arten sind recht spezialisiert, daher findet man sie nur sehr zerstreut und nicht in großer Zahl. Andere Arten sind häufig und fühlen sich in menschlichen Siedlungen sehr wohl. Wie etwa die Rote Mauerbiene in deinem BeeHome. Wenn du hier weitere Mauerbienen bei dir ansiedeln willst: kein Problem! Das BeeHome ist eine ideale Unterkunft für viele Arten. Sorge für die richtigen Nahrungspflanzen und du bekommst bald neue Mitbewohner über den Sommer. 

Diese Mauerbienen-Arten nisten auch gerne im BeeHome

Gehörnte Mauerbiene (Osmia cornuta)

Die Gehörnte Mauerbiene ist ein ausgezeichneter Bestäuber. Bild: Pollinature

Die Gehörnte Mauerbiene ist ein ausgezeichneter Bestäuber. Bilder: Pollinature

 

Diese Art hast du bestimmt schon gesehen und sie vielleicht für eine kleine Hummel gehalten. Sie ist neben der Roten Mauerbiene die häufigste Art in deinem BeeHome. Sie fliegt viel früher als die Rote Mauerbiene (manchmal schon im Februar) und fällt durch ihren orangeroten Hinterleib auf.

 

Flugzeit: März bis Mai (manchmal schon ab Februar)

Größe: 10-15 mm

Futterpflanzen: Weiden, Schwarzdorn, Obstbäume, Ahorn

 

 

Schöterich-Mauerbiene (Osmia brevicornis)

Ihre Kinder wachsen in einer Art Wohngemeinschaft auf: Schöterich-Mauerbiene auf einer Nachtviole. Bild: Pollinature

Ihre Kinder wachsen in einer Art Wohngemeinschaft auf: Schöterich-Mauerbiene auf einer Nachtviole. 

Die Weibchen diese Art sind durch ihren blau schillernden Körper und die rostrote Bauchbürste sehr gut zu erkennen. Die Männchen sind viel unauffälliger. Die Schöterich-Mauerbiene ist ein etwas seltener Gast in einem BeeHome, hat aber ein interessantes Brutverhalten. Sie legt zwischen den einzelnen Brutkammern keine Mauern an und die Larven ernähren sich in einer Art großer WG gemeinsam vom Pollenvorrat. Darin unterscheidet sie sich von den anderen Mauerbienen in dieser Aufzählung, von denen jede Larve eine eigene Kammer bewohnt.

Flugzeit: April bis Juni

Größe: 8-11 mm

Futterpflanzen: vor allem Schöterich-Arten, Raps, Acker-Senf

  

Distel-Mauerbiene (Osmia leaiana)

Distel-Mauerbiene auf einer Distel. Bild: Pollinature

Distel-Mauerbiene auf einer Distel. 

Distel-Mauerbienen lassen sich bis Ende August beobachten. Mit Disteln in der Nähe siedeln sie sich vielleicht auch in Ihrem BeeHome an.

Diese Mauerbiene ist eine der letzten Arten im Jahr, die du an deinem BeeHome beobachten kannst. Sie liebt Disteln. Auch wenn diese Pflanzen einen schlechten Ruf haben: Gib der Distel eine Chance. Sie ist nicht nur für Osmia leaiana eine wertvolle Pflanze, sondern auch für andere Insekten. Und einige Disteln sehen

auch noch beeindruckend aus, zum Beispiel die Eselsdistel.

Flugzeit: Mai bis Ende August

Größe: 8-10 mm

Futterpflanzen: Disteln und Flockenblumen

Mauerbienen Wildbienen Wissen

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