Wer weckt eigentlich die Mauerbienen?

Geposted von Holger Thissen am

Wenn die Tage wieder länger werden, nähert sich auch die Schlupfzeit unserer Mauerbienen. Aber wie merken die Bienen in ihren Kokons eigentlich, dass es Zeit ist, aus ihren Nestern zu kommen? 

Im Leben der jungen Wildbienen läuft alles nach Plan: Sie schlüpfen im Frühjahr aus ihrem Ei, fressen ihren Nahrungsvorrat, spinnen einen Kokon und gehen ab Herbst schließlich in die Winterruhe – und das machen alle Mauerbienen einer Art fast zeitgleich. Aber woher wissen die Wildbienen in ihren dunklen Kammern, dass es Zeit ist für den nächsten Lebensabschnitt?

Metamorphose gibt immer noch Rätsel auf

Wir müssen zugeben, dass wir diese Frage nicht sicher beantworten können. Wir vermuten allerdings, dass es so funktioniert: Wenn der Nahrungsvorrat der Larve aufgebraucht ist und sie Hunger hat, spinnt sie den Kokon und startet die Metamorphose. Das heißt, die Larve verwandelt sich in mehreren Schritten in eine erwachsene Biene. Wenn es im Sommer dann heiß wird, ist es Zeit für die Sommerruhe. Mit Herbstbeginn schließt sie die Verwandlung in eine voll entwickelte Mauerbiene ab und beginnt die Winterruhe.

Wie tickt die innere Uhr der Wildbienen?

Im Frühjahr ist es genau andersrum. Wenn es warm wird, ist es Zeit zu schlüpfen. Aber die Sache ist etwas kompliziert: Würden die Mauerbienen bei den ersten warmen Temperaturen schlüpfen, wäre dies fatal. Es könnten ja nur ein paar warme Tage im Dezember oder Januar sein, lange bevor der blühende Fühling beginnt. Dann würden die Mauerbienen schlüpfen, fänden aber keine Nahrung. 

Vom Ei zum Vollinsekt: So entwickelt sich eine Mauerbiene.

So entwickelt sich eine Rote Mauerbiene im Niströhrchen vom Ei bis zur erwachsenen Mauerbiene. Was genau die Entwicklungsschritte auslöst, ist nicht sicher.

Um zu merken, dass es wirklich Frühling ist, braucht es eine zweite Information: Wie lange war es eigentlich kalt? Wenn es vor den warmen Tagen nur sechs Wochen kalt war, wissen die Wildbienen, dass es zu früh zum Schlüpfen ist. War es aber sechs Monate kalt, ist der Frühling da. Das messen die Mauerbienen über eine komplizierte innere Uhr, die vermutlich von Hormonen gesteuert wird. Wie genau, wissen wir aber nicht.

Manche Bienen verschlafen absichtlich

Bei anderen Bienen ist es noch viel komplizierter. Viele Wildbienen überwintern als Larven oder Puppen. Bevor sie schlüpfen, müssen sie also erst die Metamorphose (Verwandlung von der Larve in ein voll entwickeltes Insekt) beenden. Die oben beschriebenen Prozesse lösen also erst im Frühjahr die Metamorphose aus. Erst danach können die Bienen schlüpfen. Dies ist einer der Gründe, warum Wollbienen so viel später als Rote Mauerbienen schlüpfen. Bei anderen Arten verschlafen einige Tiere sogar absichtlich einen Sommer und schlüpfen ein Jahr später als ihre Geschwister. Auf diese Weise überleben einige Tiere auch ein schlechtes Jahr. Dies ist häufig bei Spezialisten wie der Natternkopf-Mauerbiene der Fall, die auf ganz bestimmte Nahrungspflanzen angewiesen sind.

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